Ist Cannabis gut bei Depressionen: Was sagt die Wissenschaft dazu?

Ist Cannabis gut bei Depressionen
Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. Etwa jeder Fünfte erkrankt im Verlauf seines Lebens an Depressionen. Es scheint, als spiele das Endocannabinoid-System eine Rolle in der Entstehung und Heilung von Depressionen [1]. Ob Cannabis hilft oder nur noch mehr Probleme bereitet, wollen wir im Nachfolgenden erkunden.

Ist ein Cannabis-Rezept für Depressionen möglich?

 Cannabis-Rezept für Depressionen  Bisher gelten Psychotherapie und Psychopharmaka wie Anti-Depressiva als gängige Behandlungsmethoden für Depressionen. Darum ist es wünschenswert, weitere Behandlungsmöglichkeiten aufzudecken und den Abermillionen depressiven Menschen besser helfen zu können. So ist bspw. medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen eine willkommene, alternative Behandlungsmöglichkeit.

Prinzipiell ist es auch möglich, medizinisches Cannabis für Depressionen verschrieben zu bekommen. Die Behandlung von Depressionen mit Cannabis ist jedoch nicht offiziell anerkannt. Dem liegt zugrunde, dass durch (klinische) Studien die Wirksamkeit gegen Depressionen nicht ausreichend belegt werden konnte. Zudem bestehen Hinweise darauf, dass Cannabis Depressionen verstärken oder im schlimmsten Fall erst auslösen könnte. 

Dennoch ist Cannabiskonsum gegen Depressionen unter Cannabispatienten weitverbreitet. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 hat die Daten von 6500 Cannabispatienten in 30 Ländern ausgewertet [2]. Dabei kam heraus, dass 34 % der Cannabispatienten auch für ihre Depressionen Cannabis konsumierten. Das könnte natürlich als Hinweis dienen, dass Cannabis hilfreich bei Depressionen sein könnte. Wir schauen uns weitere Untersuchungen an.

Cannabis gegen Depressionen: Das sagt die Wissenschaft

 Cannabis gegen Depressionen: Das sagt die Wissenschaft  Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 von der University of New Mexico [3] kann genauere Einblicke geben. Hier hat man die Daten von etwa 1800 Nutzern der ReleafApp analysiert. Diese App lässt seine Nutzer bei der Anwendung von Cannabis die gefühlte Wirkung mitsamt Nebenwirkungen und weiteren Aspekten notieren, wie etwa der konsumierten Dosis etc. Somit zeichnet die App auf, bei welcher Darreichungsform mit welcher Dosierung welche Ergebnisse erzielt wurden. Problematisch ist natürlich, dass die Befragungen nicht im klinischen Rahmen stattfanden. Dennoch sind die Ergebnisse durchaus interessant.

In der vorliegenden Untersuchung wurden nun Ergebnisse ausgewertet, bei denen das Symptom „Depression” angegeben war. Das war bei 1800 Menschen der Fall. Insgesamt haben diese rund 5800 Sitzungen gehabt.

Die Daten der App ergeben, dass ca. 96 % der Nutzer eine Linderung ihrer Symptome nach dem Konsum von Cannabis verspürt haben. Bis zu 20 % der Patienten meinten jedoch, Nebenwirkungen wie eine verstärkte Depression wahrzunehmen. Natürlich ist die Methodik und Teilnehmerzahl dieser Untersuchung nicht repräsentativ, dennoch ist die Erkenntnis interessant, dass zahlreiche Cannabispatienten Linderung ihrer depressiven Beschwerden durch Cannabiskonsum erfahren. Auf der anderen Seite scheinen verstärkte depressive Symptome eine Nebenwirkung sein zu können.

Eine ähnliche Untersuchung wurde 2018 mit Daten aus der App Strainprint durchgeführt [4]. Diese erlaubt ebenfalls Cannabispatienten das Tracken ihrer Symptome. Vermerkt werden Aspekte wie die Dosis, Inhaltsstoffe des Strains und verbesserte sowie verschlechterte Symptome. Hier wurden insgesamt etwa 11.900 Sitzungen untersucht. Ca. 3100 davon bezogen sich auf Depressionen, etwa 5000 auf Anxiety (Angststörungen) und 3700 auf Stress.

Hier wurde ausgewertet, dass 50 % der Nutzer reduzierte Symptome der Depressionen wahrnahmen. Satte 58 % verspürten Erleichterung in Bezug auf ihre Angststörung. Dabei war Cannabis mit viel CBD (über 9,5 %) und wenig THC (unter 5,5 %) am wirksamsten gegen Depressionen.

Erneut wurden Menschen nach ihren subjektiven Erfahrungen über eine App befragt, was keinen klinischen Standards entspricht. Dennoch sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen durchaus interessant und liefern erste Hinweise, dass Cannabis bei Depressionen hilfreich sein könnte.

Verursacht Cannabis Depressionen?

Es besteht auch der Verdacht, dass Cannabiskonsum Depressionen auslösen bzw. begünstigen könnte. Manche Studien meinen bspw. erkannt zu haben, dass Cannabiskonsumenten öfter Depressionen aufweisen. Insbesondere regelmäßige oder harte Konsumenten sollten demnach eine höhere Prävalenz für Depressionen aufweisen. Das ist jedoch nicht ausreichend belegt. Verursacht Cannabis Depressionen

Es scheint eher der Fall zu sein, dass gewisse Faktoren, die Depressionen hervorrufen können, auch Cannabiskonsum begünstigen. Die Beziehung ist also ggf. als wechselseitig zu betrachten. Cannabiskonsum und psychische Probleme (wie Depressionen) fallen also öfter zusammen, als es durch reinen Zufall der Fall sein sollte. Dass eine direkte Kausalbeziehung zwischen Cannabiskonsum und psychischen Problemen wie Depressionen gibt, ist jedoch nicht bewiesen. Diese Thematik können wir hervorragend mithilfe der Cannabispsychose beleuchten.

Mythos Cannabispsychose

Es besteht hartnäckig der Mythos, dass Cannabiskonsum eine Psychose auslösen könnte. Eine Psychose zeichnet sich durch Realitätsverlust aus und geht häufig mit Halluzinationen, Ich-Störungen und Wahnvorstellungen einher. Die Schizophrenie ist wohl die bekannteste Form der Psychose. 

Studien [5] liefern nun Hinweise darauf, dass Cannabiskonsumenten im Vergleich zu Kontrollgruppen häufiger und früher an Psychosen erkranken. Eine besonders hohe Prävalenz besteht, wenn über lange Zeiträume regelmäßig konsumiert wird und wenn das konsumierte Cannabis über 10 % THC-Gehalt aufweist, was einem hohen THC-Gehalt entspricht.

Für Gelegenheitskonsumenten gibt es allerdings widersprüchliche Ergebnisse. Während teilweise kein erhöhtes Risiko festgestellt werden konnte, sprechen andere Untersuchungen von einem bis zu doppelten Psychoserisiko. 

Eine Psychose allerdings ausschließlich auf Cannabiskonsum zurückzuführen, ist nicht möglich. Der statistische Zusammenhang, dass mehr Cannabiskonsumenten Psychosen aufweisen, belegt nicht den Kausalzusammenhang, dass Cannabiskonsum zu Psychosen führen könnte. 

Es besteht darum die Überlegung, dass Cannabiskonsum eine schlummernde Psychose zutage fördern könnte. Eine Person, die ohnehin ein erhöhtes Psychoserisiko aufweist, würde demnach die Psychose durch Cannabis auslösen. Des Weiteren besteht die Vermutung, dass Menschen mit einer Psychose gerne zu Cannabis greifen, etwa um ihre Symptome zu lindern. 

Weitere Faktoren könnten also eine Rolle spielen. Eine Studie [6] liefert Hinweise, dass das Vorhandensein des AKT1-Gens die Entwicklung psychotischer Symptome in Cannabiskonsumenten begünstigen kann. Eine weitere Studie liefert Hinweise, dass das Immunsystem Einfluss darauf nehmen kann, ob Cannabiskonsumenten Psychosen entwickeln [7]

Abschließende Gedanken: Mehr Forschung ist nötig

Man darf also vorerst die Beziehung zwischen Cannabis und Depressionen nicht zu eng sehen. Es scheint unwahrscheinlich, dass alleinig Cannabiskonsum Depressionen auslöst. Es spielen höchstwahrscheinlich weitere Faktoren mit. Der statistische Zusammenhang könnte dementsprechend daher stammen, dass Menschen mit psychischen Problemen auch öfter zu psychoaktiven Substanzen greifen.

Der Einsatz von Cannabis bei Depressionen ist zwar nicht üblich, im Einzelfall jedoch möglich. Halte hierfür Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt. Cannabis wird erst verschrieben, wenn andere Therapiemethoden keinen zufriedenstellenden Erfolg erzielen konnten. Ist das auch bei Depressionen der Fall, probieren manche Ärzte eine Cannabistherapie aus. Wenn du ein Rezept hast, kannst du über Cannabisplatz medizinisches Cannabis kaufen.

Dieser Artikel dient nur allgemeinen Informationszwecken und beabsichtigt nicht, eine medizinische Behandlung in irgendeiner Form zu fördern und ist kein Ersatz für die Konsultation eines professionellen Arztes. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, um eine persönliche medizinische Beratung zu erhalten. Für einen medizinischen Rat sollten Sie immer den Rat eines Arztes oder eines anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleisters einholen.

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