Kann man bei Schlafstörungen Cannabis verschrieben bekommen?

cannabis bei Schlafstörungen
Schlafstörungen können die Lebensqualität massiv mindern. Wer nachts nicht richtig zur Ruhe kommt, hat tagsüber dementsprechend einen Mangel an Ruhe und Konzentration. Da chronische Schlafstörungen nun oftmals medikamentös mit chemischen Mitteln behandelt werden, suchen immer mehr Betroffene pflanzliche Alternativen. Hier hat sich medizinisches Cannabis als möglicher Ansatz hervorgetan. Wir beleuchten, inwiefern Cannabis bei Schlafstörungen helfen kann und ob ein Cannabisrezept für Schlafstörungen verschrieben werden kann.

Was genau sind Schlafstörungen?

 Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen  

Bei Schlafstörungen wird der normale Schlafzyklus des Patienten beeinträchtigt. Dabei können unterschiedliche Aspekte des Schlafes negative Veränderungen erfahren. So können bspw. Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen auftreten. Probleme mit der Schlafqualität sind ebenfalls ein häufiges Symptom von Schlafstörungen. Am häufigsten treten folgende Formen von Schlafstörungen auf: 

  • Insomnie: Die bekannteste Form der Schlafstörungen. Hier treten Probleme beim Ein- und Durchschlafen auf. Häufige Symptome sind Probleme beim Einschlafen, weshalb Betroffene stundenlang wach liegen. Auch wachen Betroffene öfter in der Nacht auf und können dann Probleme haben, wieder einzuschlafen.

  • Schlafapnoe: Hierbei erschlafft die Muskulatur in oder vor den Atemwegen, wodurch vermindert Sauerstoff aufgenommen wird. Schlimmstenfalls kann die Atmung nachts komplett aufhören, wodurch Betroffene immer wieder erwachen und unruhig schlafen. Starkes Schnarchen ist ein typisches Symptom.

  • Narkolepsie: Diese seltenere Form der Schlafstörungen zeichnet sich durch eine überwältigende Müdigkeit aus, die tagsüber zu Schlafattacken führen kann. Hierdurch können Betroffene auch an Kataplexie leiden, also dem plötzlichen Erschlaffen der Muskeln im Alltag.

  • Parasomnien: Hierbei treten ungewöhnliche Verhaltensweisen im Schlaf auf, so etwa nächtliche Schlafattacken, Schlafwandeln oder häufige Albträume.

Wie wir sehen, gibt es also zahlreiche Formen der Schlafstörungen. Wir wollen daher im Einzelnen betrachten, wie medizinisches Cannabis bei gewissen Formen der Schlafstörungen helfen könnte.

Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen: Hilfreiches Mittel?

Die genauen Wirkweisen von medizinischem Cannabis bei Schlafstörungen erläutern wir weiter unten. Erst einmal möchten wir auf Untersuchungen eingehen, welche eine Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei Schlafstörungen andeuten.

Ein kleinerer Review liegt aus Kanada vor, veröffentlicht im April 2022 [1]. Untersucht wurden 38 Patienten, die Cannabis gegen ihre Schlafprobleme einnahmen. 15 dieser Patienten konnten durch Cannabis komplett auf andere Schlafmittel verzichten. 27 Patienten gaben positive Auswirkungen durch Cannabisgebrauch auf ihre Schlafstörungen an. Nur 8 Patienten haben dabei Nebenwirkungen bemerkt, diese waren jedoch nicht ausfallend genug, um die Cannabismedikation zu unterbrechen.

Eine weitere Untersuchung, die im Oktober 2021 [2] veröffentlicht wurde, analysiert Daten der Strainprint App. Hier wurden die Daten von 991 Medizinalcannabis Patienten untersucht, welche insgesamt ca. 24.000 Sessions mit Cannabisnutzung getrackt haben. Untersucht wurden die Auswirkungen von Cannabiskonsum auf Insomnie. Heraus kam, dass Cannabinoide als sinnvolle Therapie bei Insomnie betrachtet wurden. Insbesondere Indica-lastige Strains waren hilfreich. Eine Sorte mit viel Indica Genetik ist demnach sogar wichtiger als ein hoher Anteil an CBD. Da es sich jedoch nicht um eine randomisierte, klinische und Placebo-kontrollierte Studie handelt, rufen auch hier die Studienleiter zu mehr Forschung auf.

Ein Artikel aus dem Fachmagazin „Nature and Science of Sleep” aus dem Mai 2022 [3] befasst sich mit der Frage, ob medizinisches Cannabis bei unterschiedlichen Arten von Schlafstörungen helfen kann. Hier werden bspw. Tieruntersuchungen aufgeführt, welche positive Auswirkungen von CBD bei narkoleptischen Ratten bewiesen haben. Diese könnten auch bei Menschen auftreten, wobei leider noch keine klinischen Untersuchungen vorliegen.

In demselben Artikel werden Forschungsergebnisse zum Gebrauch von Medizinalcannabis bei Schlafapnoe vorgestellt. Die American Academy of Sleep Medicine rät zurzeit vom Gebrauch von Cannabis bei Schlafapnoe ab, da nicht ausreichend Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit vorliegen. Es werden jedoch interessante Studien gelistet, welche potenzielle positive Auswirkungen andeuten. So wurde Dronabinol Sprague-Dawley Ratten verabreicht, woraufhin sich der Apnea Index um 42 - 58 % (je nach Schlafphase) senken ließ.

Wir können also zusammenfassen, dass medizinisches Cannabis einigen wissenschaftlichen Hinweisen nach gegen gewisse Formen von Schlafstörungen helfen könnte. Weitere und erstmals klinische Forschung ist jedoch notwendig, um genaue Aussagen zu ermöglichen. Die bisher existenten Forschungsergebnisse können in Einzelfällen als Erklärung ausreichen, damit Ärzte Medizinalcannabis bei Schlafstörungen verschreiben können.

Wie wirkt sich medizinisches Cannabis auf den Schlaf aus?

Medizinisches Cannabis könnte über unterschiedliche Wirkmechanismen gegen Schlafstörungen helfen, womit wir einen weiteren Cannabis Vorteil beobachten. Schmerzpatienten könnten etwa durch Cannabismedikation Schmerzlinderung erfahren und dementsprechend besser einschlafen. Auch könnte Cannabis durch die Linderung von Stress und vermehrt Entspannung helfen, schneller einzuschlafen. So etwa bei einer Medikation von Cannabis bei Depression.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass Cannabis die Schlafarchitektur beeinflusst. Hierdurch könnte bspw. der REM-Schlaf reduziert oder verstärkt werden, wodurch sich andere Schlafphasen verlängern oder verkürzen.

Diese potenziellen Wirkweisen hängen jedoch von zahlreichen Faktoren ab und sind bisher nicht abschließend medizinisch geklärt. Wir empfehlen also ein beratendes Arztgespräch, um die Möglichkeiten von Cannabis als Medizin bei Schlafstörungen zu besprechen.

Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen auf Rezept mit Kostenübernahme

Schlafstörungen behandeln mit medizinischem Cannabis: Da eine Cannabistherapie mehrere Hunderte bis Tausende Euros im Monat kosten kann, versuchen viele Patienten zurecht, medizinisches Cannabis auf Rezept mit Kostenübernahme zu bekommen. Laut deutschem Gesetz muss zur Kostenübernahme eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen, was mit manchen Formen der Schlafstörungen gegeben ist, da diese alltäglich die Lebensqualität einschränken. 

Zudem muss man jedoch andere Standardtherapien ausprobiert haben oder aufgrund gesundheitlicher Bedenken begründet ablehnen. Bisher sind einige Fälle bekannt geworden, in denen Krankenkassen den Antrag auf Kostenübernahme abgelehnt haben, weil die erprobten Standardtherapien noch nicht als ausreichend befunden wurden. Eine Kostenübernahme ist also möglich, die entsprechenden Kriterien müssen jedoch erfüllt werden. Hier kann dich einer unserer Ärzte, die Cannabis verschreiben, unterstützen.

Kann man medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen verschrieben bekommen? Ja!

Medizinisches Cannabis kann also bei Schlafstörungen verschrieben werden. Hierfür erhältst du ein sogenanntes BTM-Rezept, welches du online oder vor Ort bei Cannabisapotheken einlösen kannst, um deine Medikamente zu erhalten. Damit zudem eine Kostenübernahme vonseiten der Krankenkassen stattfinden kann, muss dein Arzt jedoch belegen können, dass keine anderen Standardtherapien zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Zudem muss deine Schlafstörung als schwerwiegende Krankheit eingestuft werden, indem sie bspw. drastisch deine Lebensqualität mindert.

Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen: Häufig gestellte Fragen

 Medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen  

Welche Bestandteile von Cannabis können den Schlaf beeinflussen?

Hauptsächlich sind hier die Cannabinoide THC und CBD zu nennen. Diese wirken vorwiegend über das Endocannabinoid-System auf den menschlichen Organismus ein. Wichtig für die Wirkung können jedoch zudem die Terpene der Hanfpflanze sein. Das sind pflanzliche Duft- und Aromastoffe, welche über den Entourage-Effekt die Wirkweise von Cannabis beeinflussen können.

Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei Schlafstörungen?

Vereinzelt gibt es Studien. Diese weisen jedoch oft eine unzureichende Methodik auf und befassen sich nur mit vergleichsweise kleinen Versuchsgruppen. Klinische Studien werden zurzeit durchgeführt, deren Ergebnisse müssen wir abwarten, um genauere Aussagen zur Wirksamkeit von Cannabis bei Schlafstörungen treffen zu können. Die bisherigen wissenschaftlichen Befunde liefern jedenfalls Hinweise und Hoffnung, dass Cannabis bei gewissen Schlafstörungen helfen könnte.

Welche Arten von Schlafstörungen könnten von medizinischem Cannabis profitieren?

Hier sind genaue Aussagen nicht zulässig, weil die Wissenschaft noch nicht ausreichend Befunde liefert. Insomnie könnte jedoch ggf. durch Medizinalcannabis Besserung erfahren. Positive Auswirkungen könnten zudem für Narkolepsie und das Restless-Legs-Syndrom bestehen.

Welches Cannabis gegen Schlafstörungen?

Gewisse Studien liefern Hinweise darauf, dass Indica-lastige Strains zu bevorzugen sind. Diese wirken ggf. besser als Sativa-lastige Strains, auch wenn diese hohe Anteile CBD aufweisen.

Dieser Artikel dient nur allgemeinen Informationszwecken und beabsichtigt nicht, eine medizinische Behandlung in irgendeiner Form zu fördern und ist kein Ersatz für die Konsultation eines professionellen Arztes. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, um eine persönliche medizinische Beratung zu erhalten. Für einen medizinischen Rat sollten Sie immer den Rat eines Arztes oder eines anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleisters einholen.