Hat medizinisches Cannabis Nebenwirkungen?

Hat medizinisches Cannabis Nebenwirkungen
Etwa jeder dritte Cannabispatient bricht die Behandlung ab, wobei Nebenwirkungen eine wichtige Rolle spielen [3]. Dem liegt zugrunde, dass einige Patienten die psychoaktive Wirkung von medizinischem Cannabis als unangenehm empfinden. Die auftretende Desorientierung sowie der Schwindel werden vielen Menschen einfach zu viel, weshalb sie dann lieber auf nicht psychoaktive Substanzen setzen. Wir wollen das Thema der Cannabis Nebenwirkungen im Detail vorstellen.

Nebenwirkungen auf dem Prüfstand

 Nebenwirkungen auf dem Prüfstand  Medizinisches Cannabis hat Nebenwirkungen bzw. kann es Nebenwirkungen verursachen. Dennoch scheint der Großteil der Patienten die Cannabismedikation gut zu vertragen, zumal Nebenwirkungen in der Regel recht sanft ausfallen. Kurzzeitige, vorübergehende und meistens harmlose Nebenwirkungen charakterisieren den Gebrauch von medizinischem Cannabis. Zumeist verschwinden die ungewollten Symptome, nachdem der Patient eine gewisse Toleranz aufbauen konnte. Dementsprechend treten Nebenwirkungen hauptsächlich nach dem Konsum hoher Dosierungen mit viel THC und wenig CBD ein. Damit du weißt, was dich erwarten könnte, wollen wir die häufigsten Nebenwirkungen durchgehen.

Psychische Nebenwirkungen

Die psychischen Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis können mannigfaltig sein. Oft beobachten Cannabispatienten die folgenden psychischen Symptome an sich selbst [1, 2, 3]:

  • kognitive Beeinträchtigungen (Vergesslichkeit sowie verlangsamte Reaktionszeit)

  • Schwindel

  • Sedierung / Müdigkeit / Lethargie

  • Konzentrationsstörungen

  • verschwommenes Sehen

  • euphorische Stimmung

Diese Nebenwirkungen sind den psychoaktiven Effekten von THC zuzuordnen. So ist bekannt, dass THC im aktiven Rausch für kognitive Beeinträchtigungen oder Müdigkeit sorgen kann. Auch das verschwommene Sehen ist eine typische Nebenwirkung, die durch zu viel THC auftreten kann. Da noch nie ein Mensch rein durch Cannabiskonsum gestorben ist, brauchst auch du keine Sorgen zu haben, wenn du Nebenwirkungen durch Cannabis erlebst. Dein Arzt wird mit dir die potenziellen Nebenwirkungen besprechen sowie vorbeugen und dir schlussendlich jegliche Angst nehmen.

Psychische Nebenwirkungen, die nicht nur akut, sondern bei längerfristiger Einnahme auch dauerhaft stattfinden können, sind u. a. Angststörungen wie vermehrte Paranoia, Abhängigkeit bzw. eine Cannabiskonsumstörung und Stimmungsschwankungen [3, 4]. Das Risiko auf derartige Nebenwirkungen wird jedoch durch den therapeutischen Konsum von medizinischem Cannabis gemindert, da du nicht wie für den Freizeitgebrauch um des Rausches willen konsumierst.

Körperliche Nebenwirkungen

Zu den psychischen Nebenwirkungen gesellen sich natürlich noch körperliche, wobei die Trennlinie zwischen beiden oft sehr dünn verläuft. Folgende körperlichen Nebenwirkungen können durch Cannabiskonsum auftreten [1, 3, 4]:

  • erhöhter Herzschlag

  • Blutdruckschwankungen

  • Mundtrockenheit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Gleichgewichtsstörungen

  • Appetitsteigerung

  • reduzierter Tränenfluss

  • Muskelentspannung

  • gerötete Augen

Auch diese Nebenwirkungen sind teilweise ein ganz normaler Bestandteil der Cannabiswirkung. Gerötete Augen können manche Patienten etwa als unangenehm empfinden, dabei treten sie bei so gut wie jedem Konsum auf. 

Übrigens: Aufgrund der besseren Qualität und Kontrolle ist ein Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und Cannabis, dass medizinisches Cannabis seltener Nebenwirkungen hervorruft.

Risikogruppen: Wer ist besonders anfällig für Nebenwirkungen?

 Risikogruppen  Wer ist besonders anfällig für Nebenwirkungen? Die moderne Forschung liefert hier einige Anhaltspunkte. Prinzipiell scheinen Frauen häufiger von Nebenwirkungen durch medizinisches Cannabis betroffen zu sein als Männer [3].

Zudem kann Cannabiskonsum die Gefäße beeinflussen, weshalb Menschen mit kardiovaskulären Problemen Rücksprache mit ihrem Arzt halten sollten. Es wurde zwar noch nie von lebensbedrohlichen oder tödlichen Komplikationen berichtet, das Risiko für Nebenwirkungen sollte trotzdem möglichst gering gehalten werden.

Zudem könnten Menschen mit Prädispositionen für psychische oder psychotische Störungen Probleme durch Cannabiskonsum erfahren. Der Mythos der Cannabis-Psychose gilt mittlerweile als widerlegt, wobei nun die Meinung vorherrscht, dass Menschen, die anfällig für Psychosen sind, diese durch Cannabis auslösen können.

Wie Nebenwirkungen vermeiden?

Dein Arzt wird dich über deine Cannabistherapie hinweg begleiten. Er wird nach bestem Wissen und Gewissen dafür Sorge tragen, dass du möglichst keine Nebenwirkungen erfährst. Zur zusätzlichen Sicherheit kannst du dich gerne an den nachfolgenden Punkten orientieren, um dein Risiko auf Nebenwirkungen weiter zu senken:

  • Niedrig dosieren: Höhere Dosen können erst recht Nebenwirkungen auslösen. Starte langsam und steigere dich langsam, damit du die Kontrolle über die Wirkung hast.

  • Geringe Dosis mehrmals einnehmen: Du musst nicht jeden Tag die Dosis erhöhen. Lass deinen Körper die Toleranz aufbauen und nimm gerne die ersten Tage deiner Therapie eine so kleine Menge, dass du gerade noch so die Wirkung spürst.

  • Langsam erhöhen: Erhöhe nun sehr langsam deine Dosis und halte die erhöhte Dosis für wenige Tage, bevor eine weitere Steigerung stattfindet.

  • Set und Setting: Set und Setting sind wichtige Punkte, die deine Cannabismedikation beeinflussen können. Achte also darauf, in einer ruhigen Umgebung zu konsumieren, wo dich niemand stören kann.

Du solltest also das genaue Gegenteil davon machen, wie Konsumenten für den freizeitlichen Gebrauch konsumieren. Dann ist nämlich möglichst viel psychoaktive Wirkung in einem kurzen Zeitraum gewollt. 

Abwägung: Überwiegen Vorteile die Nachteile?

 Überwiegen Vorteile die Nachteile  Wenn Cannabispatienten ihre Cannabismedikation aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen, sind sie und der Arzt der Meinung, dass die Nachteile der Nebenwirkungen die therapeutischen Vorteile überwiegen. Darauf kommt es also schlussendlich an: Überwiegen die therapeutischen Vorteile der Cannabismedikation die Nachteile der Nebenwirkungen? Diese Frage kannst schlussendlich nur du beantworten. Praktisch ist immerhin, dass Cannabis zwar vergleichsweise oft Nebenwirkungen verursacht, diese jedoch mild ausfallen und nicht von Dauer sind. Mit lebensbedrohlichen Komplikationen ist also durch den Gebrauch von medizinischem Cannabis keineswegs zu rechnen.

Fazit: Hat medizinisches Cannabis Nebenwirkungen?

Ja, medizinisches Cannabis kann Nebenwirkungen haben. Ein Drittel der Cannabispatienten in Deutschland hat nach dem Stand der Begleiterhebung zur Legalisierung von Medizinalcannabis die Medikation innerhalb des ersten Jahres abgebrochen. Rund ein Viertel dieser Abbrüche ist auf Nebenwirkungen zurückzuführen. Dabei sind diese Nebenwirkungen im Großteil die psychoaktive Wirkung von THC. Den entsprechenden Patienten missfällt also in der Regel, dass sie ein psychoaktives Medikament einnehmen und eine dementsprechende Wirkung verspüren.

Darum fallen die Nebenwirkungen meistens auch mild aus und haben keinerlei gesundheitliche Folgen. Sie verklingen zumeist nach wenigen Stunden und spätestens nach 1 - 2 Tagen.

Wenn du also medizinisches Cannabis gegen deine Beschwerden benötigst, solltest du nicht vor den Nebenwirkungen zurückschrecken. Dein Arzt wird die Anwendung so gestalten, dass das Risiko auf Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert wird. 

Hat medizinisches Cannabis Nebenwirkungen: Häufig gestellte Fragen

Kann medizinisches Cannabis abhängig machen?

Ja, medizinisches Cannabis kann eine Cannabiskonsumstörung auslösen und eine (psychische) Abhängigkeit nach sich ziehen. Hierzu muss einmal gesagt sein, dass eine Cannabissucht nicht mit einer starken Drogensucht wie jenen nach Tabak, Alkohol oder Opiaten zu vergleichen ist. Ein Entzug dieser Substanzen könnte den Tod nach sich ziehen, was bei Cannabis keineswegs der Fall ist. Darüber hinaus ist die Anfälligkeit einer Cannabiskonsumstörung bei Patienten auf ein Minimum reduziert, weil zu therapeutischen Zwecken konsumiert wird und nicht für das Rauschgefühl.

Gibt es Wechselwirkungen zwischen medizinischem Cannabis und anderen Medikamenten?

Ja, die kann es geben. Im Einzelfall solltest du deinen Arzt hierzu befragen. Als problematisch gilt die gleichzeitige Einnahme von Cannabis mit:

  • Antihistaminika

  • Antihypertonika

  • Antipsychotika

  • antiretrovirale Medikamente

  • Antidepressiva

Kann medizinisches Cannabis die Lungenfunktion beeinträchtigen?

Je nach Anwendungsform kann medizinisches Cannabis die Lungenfunktion beeinträchtigen. Umgehen lassen sich Lungenirritationen, indem auf das Rauchen von Cannabis vollends verzichtet wird. Anschließend stehen noch Vaporizer zur inhalativen Anwendung zur Verfügung. Auch diese können zwar Lungenirritationen auslösen, sie sind jedoch unvergleichlich weniger schädlich als das Rauchen von Joints. Willst du keinerlei Lungenirritationen, hilft nur die orale Einnahme von öligen Präparaten oder Kapseln.

Dieser Artikel dient nur allgemeinen Informationszwecken und beabsichtigt nicht, eine medizinische Behandlung in irgendeiner Form zu fördern und ist kein Ersatz für die Konsultation eines professionellen Arztes. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, um eine persönliche medizinische Beratung zu erhalten. Für einen medizinischen Rat sollten Sie immer den Rat eines Arztes oder eines anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleisters einholen.

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